Lange Nächte, kalte Tage – warum eigentlich? Wir bringen etwas Licht in die dunkle Jahreszeit.

Die Tage werden kürzer, Nächte dauern länger, Wind fühlt sich oft richtig kalt an. Die Sonne bringt Sie und Ihre Kinder gar nicht mehr ins Schwitzen, Sie ziehen sich dick an und haben vielleicht irgendwie Lust auf deftige Speisen: Es ist Winter, die kälteste und düsterste Jahreszeit. Ob übrigens der Name von „Wind“ oder dem keltischen „windo“ für „weiß“ abstammt, ist nicht abschließend geklärt.

Warum frieren wir jetzt?

Die Sonne wärmt im Winter Boden, Felsen und Wasser nicht so stark auf. Schauen Sie sich den Sonnenstand einmal an; vielleicht bemerken Sie es auch daran, wie sie nun ins Zimmer scheint: Sie steht viel niedriger als im Sommer. Deshalb treffen ihre Strahlen schräg auf die Erde. Der Lichtkegel vergrößert sich dabei wie bei einer schräg gehaltenen Taschenlampe. Die gleiche Menge Sonnenstrahlen verteilt sich so auf eine größere Fläche – schwer zu heizen!

Wann ist Winter?

Astronomisch oder dem Kalender nach beginnt der Winter mit der Wintersonnenwende: dem Zeitpunkt, an dem die Tage am kürzesten sind. Bei uns ist das am 21./22. Dezember. Anschließend werden die Tage wieder länger und die Nächte kürzer. Der Winter endet demnach mit der Frühjahrs-Tag-und-Nacht-Gleichen – wenn Tag und Nacht je 12 Stunden lang sind: am 20./21. März. Dabei ist ein Kalender gar nicht nötig!
Um zu wissen, in welcher Jahreszeit Sie sich befinden, genügt ein Blick in die Natur. Der Winter beginnt nämlich, sobald auf den Feldern die ersten kleinen Pflanzen des Winterweizens zu sehen sind, die in dieser Form überwintern. Jetzt ruht die Natur, bis die Haselblüte im nächsten Jahr den Vorfrühling ankündigt.

Nix los auf den Feldern? Von wegen! Hier trotzt der im Herbst ausgesäte Winterweizen den tiefen Temperaturen und wächst, sobald es wärmer ist.

Kurze Tage

Warum wird es ab Herbst viel früher dunkel? Zeigen Sie Ihren Kindern am besten einen Globus, der stets schief in den Angeln hängt. Genauso schräg wandert unsere Erde einmal im Jahr um die Sonne. Und diese Schieflage ist für unsere Jahreszeiten verantwortlich – sie sorgt für die unterschiedliche Länge unserer Tage. Wenn die Nordhalbkugel zur Sonne hingeneigt ist, dann ist bei uns Sommer. Die Tage sind lang, die Sonne steht sehr hoch am Horizont und hat eine Menge Kraft, sodass es bei uns schön warm ist. Wenn sich die Nordhalbkugel bei der Wanderung um die Sonne langsam von der Sonne abwendet, werden die Tage wieder kürzer. Die Sonne verliert an Kraft. Dafür ist auf der Südhalbkugel Frühling, es wird hier langsam wärmer und jeden Tag länger hell.

Dass die Tage unterschiedlich lang sind, hat mit der Schieflage unseres Planeten gegenüber der Sonne zu tun. Ein Blick auf den Globus macht’s möglich.

Pflanzen sind Kälteprofis

Der grüne Blattfarbstoff enthält viele Nährstoffe. Im Herbst werden sie den Blättern entzogen und im Stamm gespeichert. Dann bleiben nur die roten und gelben Farben in den Blättern übrig, bevor sie abfallen oder absterben. Im Sommer zogen Wurzeln das Wasser aus der Erde und verdunsteten es über die Blätter. Im Winter gibt es weniger Wasser, doch die Blätter würden
weiterhin Feuchtigkeit abgeben. Blieben die Blätter also am Baum, könnte der Baum vertrocknen. Wenn die Tage kürzer werden, spürt der Baum, dass es Winter wird. Er beginnt sich von den Blättern zu trennen.
Auch Nadeln von Tannen oder Fichten verdunsten Wasser, aber weniger als Blätter. Zudem sind sie durch ihre geringe Oberfläche und eine Wachsschicht vor Kälte besser geschützt. Ausnahme ist die Lärche: Dieser
Nadelbaum muss seine Nadeln im Herbst abwerfen, weil sie zu empfindlich sind.

Winter, ade!

Scheiden tut weh.

Gehst du nicht bald nach Haus,

Lacht dich der Kuckuck aus.

August Heinrich Hoffmann von Fallersleben

Wintervögel

Alle Vögel, die bei uns überwintern, kommen auch mit großer Kälte klar. Andere Arten finden bei niedrigen Temperaturen weniger oder keine Nahrung; manche Insektenfresser und der Storch zum Beispiel. Sie fliehen schon im Herbst in wärmere Regionen und kehren erst im Frühjahr zu uns zurück. Die Hiergebliebenen müssen nicht frieren: Wenn Vögel sich aufplustern, bleibt die Wärme zwischen den Federn wie bei einer frisch aufgeschüttelten Daunendecke. So können unsere gefiederten Freunde auf ein Winterfell verzichten. Und dann gibt es ja immer noch die Möglichkeit, sich ganz, ganz dicht an den Nachbarvogel zu kuscheln. Der Vogel in der Mitte hat es dann natürlich am wärmsten.

Frostschutz

Aber was ist mit den nackten Vogelfüßen? Keine Sorge, Wasservögel können niemals am Boden oder auf Eis festfrieren. Ihre Füße sind besonders gut durchblutet, und zwar mit extra abgekühltem Blut. Die kalten Watschelfüße sind also zu frostig, um mit dem Eis eine Verbindung einzugehen. Brrr, wenn Sie darüber nachdenken, bekommen Sie direkt Gänsehaut, oder?

„Bei schönem Wetter gehe ich zu Fuß!“ – Auch wenn es unsereins bei diesem Anblick frösteln mag: Enten und andere Wasservögel bekommen keine kalten Füße.

Satt und müde

Igel, Fledermäuse und Siebenschläfer verpennen die futterarme Zeit lieber. Im Winterschlaf laufen ihre Körperfunktionen auf Sparflamme. Bär, Dachs und Eichhörnchen halten hingegen nur Winterruhe. Sie wachen öfter auf, futtern oder wälzen sich herum. Vorteil: Bei Gefahr erwachen sie und können fliehen. Bären haben sich im Herbst einen Winterspeck angefuttert.
Das Eichhörnchen hat währenddessen Vorräte versteckt. Wenn es jetzt aufwacht, wird es von seinem guten Riecher zum Versteck geführt. Hirsche und Rehe können bei ihrer Magerkost keinen Winterspeck ansetzen. Sie sparen Energie durch wenig Bewegung und vermeiden tiefen Schnee.

„Gefunden!“ Eichhörnchen legen überall kleine Vorräte an. Erwachen sie hungrig aus der Winterruhe, machen sie sich auf die Suche.

Schneeweiß

Was uns schon zu der wichtigen Frage bringt, warum Schnee – im Gegensatz zu gefrorenem Wasser – weiß ist: Es hat damit zu tun, dass jede Schneeflocke aus unzähligen winzigen Eiskristallen besteht. Zwischen ihnen ist Luft eingeschlossen. Das Sonnenlicht kann nicht einfach durch die vielen Kristalle durchscheinen, die übereinanderliegen.
Denn jeder Kristall lenkt das Sonnenlicht ab und wirft es in alle möglichen Richtungen zurück. Der Lichtmix aus allen Farben, der dann in unsere Augen fällt, sieht für uns weiß aus – und Schnee glitzert deshalb auch so wunderschön im Sonnenlicht!

Winzig und eiskalt – wohl jedes Kind hat schon einmal versucht, so eine Schneeflocke auf der Zunge landen zu lassen.