Wenn die Birnen wieder einladend am Baum hängen, wohlgeformt, leuchtend grün, wunderbar süß und sehr gesund – warten sie nur darauf, von fleißigen kleinen Händen gepflückt zu werden.

„Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand“, fast jeder kennt diese Ballade von Theodor Fontane, die einen wahren Kern besitzt. Die Familie von Ribbeck gab es nämlich tatsächlich, einen Birnbaum sowieso; „und kam die goldne Herbsteszeit, und die Birnen leuchteten weit und breit, da stopfte, wenn’s Mittag vom Turme scholl, der von Ribbeck sich beide Taschen voll, und kam in Pantinen ein Junge daher, so rief er: „Junge, wist’ne Beer?“ Und kam ein Mädel, so rief er: „Lütt Dirn, kumm man röwer! Ick hebb’ne Birn!“ So ging es viele Jahre und als Herr von Ribbeck starb, ließ er sich in weiser Voraussicht eine Birne mit ins Grab legen. Der Samen keimte und ein neuer Baum wuchs heran. „Und die Jahre gehen wohl auf und ab; längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab.“ So sorgte der großzügige Herr von Ribbeck dafür, dass die Mädchen und Jungen auch künftig ihre Birnen bekommen.

Die Birne ist ein mächtiger Baum

Einer Sage nach ist der Vorläufer unserer Kulturbirne, die Holzbirne, dem Menschen aus dem Paradies nachgezogen. Die sonnenliebenden, prachtvollen und mehr als 200 Jahre alt werdenden Bäume standen oft einzeln in der Flur. Die Germanen glaubten, in ihnen müssten Gottheiten wohnen, zumindest böse Geister oder Drachen, zumal bei jungen Bäumen kürzere Seitenzweige sehr spitz auslaufen und empfindlich stechen können. Die antiken Griechen und Römer kultivierten da schon die feinen Edelbirnen (Pyrus communis), die von den Klostergärten ausgehend schließlich das einfache Volk erreichten. Ein Birnbaum prägte fortan als mächtiger Hausbaum das Gehöft, sie gediehen auf Streuobstwiesen oder wurden als Spalier an einer warmen Hauswand gezogen. Heute gibt es Birnbäume von ganz groß bis zu zwergenklein, für jeden Garten die passende Größe.

Heute gibt es mehr als 5000 Birnensorten. Sie entstanden aus Kreuzungen von Holz-, Wild- und anderen Birnenarten.
Heute gibt es mehr als 5000 Birnensorten. Sie entstanden aus Kreuzungen von Holz-, Wild- und anderen Birnenarten.

Birnen – Früchte mit zartem Schmelz

Birnen werden je nach Sorte von Sommer bis weit in den Winter geerntet. Sehr beliebt sind die Williams-Christ-Birnen mit ihren gelbgrünen, süßen Früchten, die längliche, leicht säuerliche Gute Luise und Alexander Lucas, dessen saftigen Früchte auf der Sonnenseite schön rot lachen. Bei reifen Birnen löst sich der Stiel vom Baum, wenn man die Frucht in die Hand nimmt und leicht dreht. Ihr saftiges Fruchtfleisch zerschmilzt auf der Zunge. Birnen sind sehr gesunde Früchte, reich an Mineralstoffen und arm an Fruchtsäuren, was sie sehr bekömmlich macht. Kinder essen Birnen gerne direkt vom Baum, roh schmecken sie auch mit Käse oder Schinken. Gedünstete Birnen passen als Beilage zu Wild und pikanten Speisen. Gesund und köstlich zugleich ist auch selbst gemachter Birnensaft.

Selbstgemachter Birnensaft.
Vitaminreich und sehr schmackhaft ist der selbstgemachte Birnensaft. Schön abgefüllt eignet er sich auch als persönliches Mitbringsel.

Für 2 Flaschen à 400 ml benötigen Sie 1 kg reife Birnen, 20 g Zucker und 1/2 Päckchen Einmachhilfe. Die Birnen waschen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. In grobe Stücke schneiden und in einen großen Kochtopf geben. Mit einem Kartoffelstampfer zerdrücken, 0,5 l Wasser hinzufügen, aufkochen und bei mittlerer Hitze 10 Minuten köcheln lassen. Die gekochten Früchte auf ein zwischen Stuhlbeinen gespanntes Safttuch geben und in den darunter gestellten Topf ablaufen lassen. Saft mit Zucker verrühren, einmal aufkochen lassen, abschäumen und mit der Einmachhilfe mischen. Heiß in ausgekochte Flaschen füllen und gut verschließen. Dunkel und kühl aufbewahren.

Die Birne in der Flasche

Es sieht aus wie Zauberei, ist aber ganz einfach: Ende Mai eine kleine Birne auf der Nord- oder Ostseite aussuchen und alle Blätter rund um die Frucht entfernen. Eine bauchige Flasche aus Weißglas mit der Öffnung nach unten im Baum aufhängen und über die Birne stülpen. Jetzt wächst die Birne in der Flasche. Wenn sie reif ist, Aststummel abschneiden, die Flasche mit klarem Wasser spülen und mit verdünntem Birnensaft aufgießen. Kühl stellen.

Birne in der Flasche.
Zauberei am Baum: Wenn Ende Mai eine Weißglasflasche über die kleine Frucht gestülpt wird, so wächst die Birne in der Flasche.