Mit ihren knallbunten großen Blüten ist die Primel eine echte Gute-Laune-Blume. Sie blüht zur rechten Zeit, denn nach den langen dunklen Wintertagen wirkt sie wie ein Weckruf.

Die Hohe oder Wald-Schlüsselblume (Primula elatior) fällt durch ihren hohen Stängel auf. Die Blüten ragen gut 10 cm über die Blätter.

Primeln, Primeln überall. Im Februar überschlagen sich Blumenhändler und Gartencenter mit ihrem Angebot an Primeln. Kaum jemand kommt an ihnen vorbei, denn die Primeln sind Massenware geworden. Das macht aber nichts, das Gegenteil trifft zu: Mit ihren vielen bunten Blüten strahlen sie eine Fröhlichkeit aus, die einfach nur guttut. Zudem bringt sie die langersehnten Farbtupfer in Haus und Garten. Die ganze Gattung „Primula“ ist eine bunte und vielfältige botanische Gruppe. Sie ist mit etwa 500 Arten über die gesamte nördliche Erdhalbkugel verbreitet. Die meisten Arten gibt es in Ostasien, in Mitteleuropa sind 15-20 Arten heimisch. Am ehesten ist die Echte oder Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) zu finden, die schon früh als Heilpflanze und Schönheitsmittel geschätzt und bereits im Mittelalter als Zierde in die Gärten geholt wurde.

Die Echte oder Wiesen-Schlüsselblume (Primula veris) ist die Stammform vieler Zuchtprimeln. Ihre kräftig gelben Blüten duften. In der Natur ist die Pflanze streng geschützt.

Die Primel – Der Schlüssel zum Himmelstor

Die große Wertschätzung der Echten Schlüsselblume drückt auch ihr botanischer Name aus: Primula veris, frei übersetzt bedeutet dies „der kleine Erstling des Frühjahrs“. Primula ist die Verniedlichung des lat. primus, „der Erste“, und ver bedeutet „Frühling“. Das deutsche „Schlüsselblume“ passt ebenfalls wunderbar. Nicht nur, dass die Röhre der Blütenkrone wie ein Schlüssel ins Schloss des Kelches passt, auch die gelben Blüten hängen wie ein Bund Schlüssel beisammen. Nach einer Legende verlor der Heilige Petrus, der Pförtner der Himmelstür, seinen Schlüsselbund und er fiel auf die Erde. Dort, wo er landete, entspross sogleich eine Blume, die Schlüsselblume. Fortan sollte die Pflanze den milden Frühlingshimmel öffnen.

Die farbenfrohe Becherprimel (Primula obconica) ist eine Zimmerpflanze, sie verträgt keinen Frost.

Fröhlich-bunte Primeln für Haus und Garten

Die heute verbreiteten knallbunten Primeln sind Nachkommen der heimischen Schlüsselblumen mit den nickenden Doldenblüten. Hinzu kamen weitere Arten aus Asien, so dass nun mehr als 100 Primelarten für den Garten kultiviert werden, die meisten stehen allerdings in Botanischen- und Liebhaber-Gärten. Im Handel sind rund ein Dutzend Arten für Haus und Garten. Eine reine Zimmerpflanze ist die aus Ostasien stammende Becherprimel (Primula obconica). Sie mag einen hellen, aber keinen sonnigen Standort und auch nicht zu warm. Ihr Ballen sollte stets feucht sein, dann kann sie wochenlang blühen.

Garten-, Frühlings-, Kissen- oder Stängellose Primel – die sehr beliebte Primula vulgaris besitzt mehrere Namen. Durch den kurzen Stängel sitzt die Blüte fast auf den Blättern.


Die Frühlings- oder Kissenprimel (Primula vulgaris) gilt als die Primel schlechthin. Es gibt sie in allen Farben sowie gefüllt und ungefüllt. Beim Kauf darauf achten, dass die Pflanze acht bis zehn offene Blüten und reichlich Knospen hat. Später kann sie in den Garten an einen halbschattigen Platz ausgepflanzt werden, wo sie sich durch Selbstaussaat und Ausläufer verbreitet. Manche Züchtungen haben allerdings ihre Winterhärte eingebüßt. Wer sicher gehen möchte, sät die Pflanzen selbst aus.

Aurikeln (Primula auricula) waren lange Zeit sehr begehrt, da sie Blüten in einer ungewöhnlich großen Fülle von Farben und Formen hervorbringen.

Verblüffende Vielfalt der Primeln

Die Primel-Familie erweist sich als äußerst vielseitig. Es gibt bunt-kräftige und zarte Farben, ein- und mehrfarbige Blüten, manche Blüten sitzen auf hohen Stängeln, andere blühen in Etagen, dann ähneln sie Orchideen, Flieder, Glocken- und Lauchblüten. Eine ganz besondere Liebhaber- und Sammlerpflanze ist die Aurikel (Primula auricula). Von dieser aus den Alpen stammenden Primelart wurden einige Tausend Formen gezüchtet, jede von ihnen mit einem ganz eigenem Gesicht.

Der in die Länge gezogene Blütenstand der winterharten Orchideenprimel (Primula vialii) erinnert an die namengebende Orchidee.

Die Blüten der Kugelprimel (Primula denticulata) bilden sehr schöne Kugeln. Das wirkt fast wie eine Lauchblüte.

Interessant wirkt die bis zu 50 cm hohe Etagenprimel (Primula bulleyana). Ihre quirlig angeordneten Blüten erscheinen auf mehreren Ebenen, die durchaus einer Etage gleichen. Ihre Blütezeit liegt zwischen Juni und Juli, es ist also ein Sommerblüher. Ursprünglich stammt diese Primelart aus China.

Wie Glocken hängen die stark duftenden Blüten der Glockenprimel (Primula florindae) herab. Die Pflanze wird 60 cm hoch und braucht einen sehr feuchten Boden. Sie eignen sich ausgezeichnet für den Teichrand oder das Sumpfbeet. Die hellgelben Blüten erscheinen sehr spät, nämlich im Juli bis August.