Rapsfelder gehören zur warmen Jahreszeit wie Blumenwiesen. Doch warum ist diese Kulturpflanze überhaupt so verbreitet?

In vielen Gegenden Deutschlands tragen riesige Felder ab Mai ein knallgelbes Kleid. Nähern Sie sich bei einem Ausflug mal einem solchen Anbaugebiet, steigt Ihnen sicher sogleich der typische Kohlgeruch in die Nase: Unverkennbar, hier wächst Raps.
Was dem fernen Beobachter wie eine wogende, kompakte Blütendecke erscheint, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Meer von kleinen Blüten. Sie sitzen am oberen verzweigten Ende der einzelnen Pflanzen. Die einzelnen Blüten verwelken schon nach zwei Tagen, doch immer neue Blüten – bis zu 60 pro Pflanze – sorgen dafür, dass die Felder zwei bis fünf Wochen lang die Landschaft schmücken.

Sonnenanbeter: Rapspflanzen können 30 bis 150 Zentimeter in die Höhe wachsen.

Raps kann locker über einen Meter hoch wachsen. Nach der Blüte bildet sich die Frucht, in unserem Fall eine rund zehn Zentimeter lange, recht schmale Schote. In ihr reifen bis zu 20 winzige schwarze Samenkugeln heran. Sie sind im Juli reif, sobald die Körnchen beim Schütteln in der Schote rasseln.

Wo kommt der Raps ursprünglich her?

Heute wird Raps weltweit in enormen Mengen angebaut. Kanada und China liegen dabei an der Spitze; in Kanada wird fast fünfmal soviel Raps geerntet wie in Deutschland. Aber schon die alten Römer kannten Raps, und in Indien nutzte man die Samen wohl schon vor gut 4 000 Jahren. Bei uns gibt es Raps noch gar nicht so besonders lange. Die Pflanze ist eine Kreuzung: Man nahm Rübenkohl, der auch als Rübsen oder Rübsamen bekannt ist. Zu seinen Arten gehören unter anderem die feinen Teltower Rübchen, Mairüben, aber auch Pak Choi. Dieser Rübenkohl wurde mit wildem Gemüsekohl gekreuzt.

Nutzung von Raps

Seit dem Mittelalter wird Raps in Mitteleuropa gezielt angebaut; damals vor allem zur Gewinnung von Lampenöl aus den sehr ölhaltigen Samen. Das damalige Öl war zum Verzehr ungeeignet, denn es schmeckte sehr bitter. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde Margarine mit Rapsöl hergestellt. Was man damals noch gar nicht wusste: Der Inhaltsstoff Erucasäure ist heute als gesundheitsschädlich bekannt und wurde erst durch die Entwicklung moderner Produktionsverfahren in den letzten Jahrzehnten entfernt. Heute ergibt Raps ein gesundes, erhitzbares Speiseöl und ist fast geschmacksneutral erhältlich.

Nach der Blüte entwickeln sich lange dünne Schoten.
Um sie geht es bei der Rapsernte: die kleinen schwarzen Samen in den Schoten sind sehr ölhaltig.

Die unbeliebten Bitterstoffe stecken nämlich in der Samenschale: Sie werden heutzutage vor der Pressung entfernt. Anders aufbereitetes Rapsöl dient als Grundstoff für Farben, Kunststoffe, Weichmacher, Tenside und Schmierstoffe. Die ausgepressten Samen und Pflanzenteile, die nach der Ölpressung übrig bleiben, nennt man Rapskuchen. Sie enthalten viel Eiweiß und werden an Tiere verfüttert. Daneben dient Raps auch als Biokraftstoff oder landet in Biokraftanlagen. Die große Nachfrage sorgt dafür, dass Raps neben Mais andere Feldfrüchte verdrängt.

So wird Raps angebaut

Wo Weizen gedeiht, lässt sich Raps ebenfalls gut anpflanzen. Lehmböden
sind ideal, möglichst weder zu feucht, noch zu trocken. Man unterscheidet den Anbau von Sommer- und Winterraps. Wegen unserer klimatischen Verhältnisse wird in Mitteleuropa meist Winterraps angebaut. Er wird vom Spätsommer bis zum Herbst gesät und im Sommer geerntet. Allerdings ist er nicht besonders frostfest. Temperaturen unter −15 °C machen den Pflanzen zu schaffen.
Der Anbau von Raps ist zudem immer nur alle paar Jahre auf demselben Feld möglich, weil sonst Pflanzenkrankheiten und eine größere Anzahl Schädlinge drohen. Praktisch: Wurzeln und Stroh der alten Rapspflanzen dienen bei der darauffolgenden Bewirtschaftung, etwa mit Getreide, als prima Dünger.

Fleißige Ackerarbeiter: Bienen unterstützen die Bestäubung und sorgen für einen besseren Ernteertrag.

Honigbienen lieben Rapsfelder

Weißen, cremig-milden Rapshonig können Sie und Ihre Kinder auf dem
Frühstücksbrot genießen, weil Honigbienen den Nektar von Rapsfeldern lieben. So können Imker durch den Einsatz von Bienen auf einem Hektar Raps fast 500 Kilogramm Honig gewinnen. Zwar kann sich Raps selbst bestäuben. Aber wenn Bienen „mithelfen“, bringt die Ernte fast ein Drittel mehr Ertrag ein. Neben den Bienen eines Imkers fliegen alle Hummelarten und die meisten Wildbienenarten ebenfalls gerne in blühenden Rapsfeldern herum. Während sie beim Landwirt willkommen sind, werden Raps liebende Käfer als Schädlinge bekämpft.

Käfer als Schädlinge im Rapsfeld

Der Große Rapsstängelrüssler etwa frisst Löcher in die Pflanzenstängel. Er möchte nämlich seine Eier darin deponieren. Die Larven des Gefleckten Kohltriebrüsslers hingegen knabbern mit Vorliebe die Blattrippen der Pflanzen an, das kann sie schwächen. Den Rapsglanzkäfer lernen auch Leute kennen, die einen gelben Sonnenschirm auf der Terrasse stehen haben. Er mag, was gelb ist, und futtert sich an den Blütenknospen satt. Ein
anderer Käfer, der Kohlschotenrüssler, wäre allein noch zu akzeptieren – seine Larven schaffen es, das Innere der Samen zu vertilgen. Ganz klar, diese und andere hungrige Gäste möchten Landwirte so schnell wie möglich loswerden. Doch wird bei der Schädlingsbekämpfung nicht achtgegeben, können die Bienen durch Insektengifte gemeinsam mit den Käfern abgetötet werden. Es gibt übrigens naturverträglichere Alternativen zur Chemie, wie eine Studie der Universität Würzburg im Jahr 2018 ergab: Blühränder etwa locken Spinnen und Laufkäfer sowie andere räuberische
Insekten an, die wiederum die Larven der Schädlinge verputzen.

Feldhasen fühlen sich im Rapsfeld pudelwohl.

Hasen und Lerchen zu Besuch im Rapsfeld

Feldhasen sind ebenfalls im Rapsfeld anzutreffen. Sie finden die Ölsaat ziemlich lecker und sind zwischen den hohen Pflanzen sehr gut vor Blicken geschützt.
Der Feldlerche hingegen macht gerade die dichte Bepflanzung zu schaffen: Wenn sie im Frühjahr am Boden brüten möchte, findet sie kaum Platz. Fahrspuren im Feld sind für sie oft die einzige Möglichkeit, sich niederzulassen. Leider wird sie dort leicht von Füchsen oder Wieseln entdeckt, die das Gelege plündern. In Großbritannien legen die Landwirte daher extra kleine Freiflächen für die Feldlerche im Rapsfeld an. Da kann sie gut landen oder nach Futter suchen.

Weitere spannende Fotos und Infos zu diesem Artikel finden Sie in LandKind 03/20.