Ein Rehkitz im hohen Gras entdeckt? Wie niedlich! Doch Vorsicht: Anfassen ist absolut tabu. Die gefleckten Jungtiere werden im Mai und Juni geboren und verbringen ihre ersten Lebenswochen allein in der Deckung, während die Mutter auf Nahrungssuche geht. Erfahre, warum du Rehkitze niemals berühren darfst, wie sie sich verhalten und was du beim Waldspaziergang mit Kindern beachten musst.
Rehkitze verzaubern Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die gefleckten Jungtiere verstecken sich geschickt in der Natur – doch mit etwas Glück kannst du ein Rehkitz beim Waldspaziergang entdecken.
Seit dem Disney-Klassiker Bambi sind Rehkitze wahre Sympathieträger. Beim Wandern am Waldrand nimmst du oder deine Kinder vielleicht eine zaghafte Bewegung wahr. Und plötzlich seht ihr es: Ein junges Rehkitz, das vorsichtig zwischen den Bäumen hervortritt oder regungslos im hohen Gras liegt. Diese niedlichen Jungtiere gehören zu den Waldbewohnern, die uns Menschen bei einem Spaziergang nur selten begegnen. Ihre Mütter, die Ricken, haben die Nahrungssuche auf die Dämmerungsstunden verlegt, um ihre Rehkitze zu schützen.
Wie Rehkitze zur Welt kommen
Rehkitze werden im Mai und Juni geboren – genau dann, wenn die Natur das reichhaltigste Nahrungsangebot bereithält. Genau wie Bambi tragen die neugeborenen Rehkitze ein rotbraunes Fell mit weißen Flecken. Diese besondere Fellzeichnung ist perfekt zur Tarnung: Im Spiel von Licht und Schatten am Waldboden sind die Rehkitze für Fressfeinde kaum zu erkennen. In den ersten vier Lebenswochen verhält sich ein Rehkitz ganz anders als erwachsene Rehe. Während die Ricke auf Nahrungssuche geht, bleibt das Rehkitz allein zurück. Es sucht sich täglich einen anderen geschützten Platz, die sogenannte „Deckung“, und wartet dort zusammengerollt am Boden auf die Rückkehr seiner Mutter. Diese außergewöhnliche Überlebensstrategie schützt Rehkitze vor Gefahren, denn sie haben in diesem Alter noch keinen Fluchtreflex entwickelt.
Ein junges Rehkitz ruht im hohen Gras. Die weißen Flecken im Fell tarnen es perfekt – bitte nicht anfassen!
Warum du Rehkitze niemals anfassen darfst
Wenn du beim Spaziergang ein einsames Rehkitz im Gras entdeckst, das sich ängstlich duckt und bewegungslos verharrt, verlasse den Ort bitte sofort. Auch wenn das Rehkitz hilflos oder verlassen wirkt: Seine Mutter ist in der Nähe und kommt regelmäßig zum Säugen zurück!
Egal wie süß das Rehkitz auch wirken mag, Anfassen ist definitiv tabu!
Dieser Grundsatz gilt ausnahmslos.
Warum ist das so wichtig?
Rehkitze reagieren auf menschlichen Geruch extrem empfindlich. Wenn du ein Rehkitz anfasst, nimmt es deinen Geruch an – und die Ricke würde ihr Junges anschließend nicht mehr annehmen. Das bedeutet für das Rehkitz den sicheren Tod. Halte also unbedingt Abstand und beobachte das niedliche Jungtier nur aus der Ferne.
Wird das Rehkitz von einem Menschen gestört oder fühlt es sich bedroht, beginnt es nach seiner Mutter zu rufen. Die Ricke verteidigt ihren Nachwuchs energisch und kann Feinde mit ihren scharfen Vorderhufen angreifen.
Die ersten Wochen im Leben eines Rehkitzes
Nach etwa vier Wochen ist das Rehkitz stark genug, um seiner Mutter zu folgen. Jetzt beginnt die spannende Lernphase: Das junge Rehkitz begleitet die Ricke auf ihren Streifzügen durch Wald und Wiesen und lernt dabei alles Wichtige fürs Überleben. Die Mutter zeigt ihrem Rehkitz, wo es die beste Nahrung findet – Kräuter, Gräser, junge Triebe und Blätter stehen auf dem Speiseplan. Trotz seiner wachsenden Selbstständigkeit wird das Rehkitz bis zur zehnten Lebenswoche noch zweimal täglich von der Ricke gesäugt. In dieser Zeit übt das Jungtier spielerisch alle Verhaltensweisen ein, die erwachsene Rehe beherrschen müssen:
Wie markiert man sein Revier?
Wie imponiert man anderen Rehen?
Wie verhält man sich während der Brunft?
Die weißen Flecken im Fell verschwinden allmählich, und das Rehkitz bekommt sein erstes einfarbiges Fell. Im Sommer trägt es ein kurzes rotbraunes Kleid, im Winter wird das Fell dichter und nimmt einen graubraunen Farbton an.
Zarte Bindung: Die Ricke beschützt ihr Rehkitz. Nach etwa vier Wochen begleitet das Jungtier seine Mutter auf Streifzügen durch den Wald.
Was Rehkitze fressen und wie sie leben
Als Wiederkäuer verbringen Rehkitze und erwachsene Rehe viel Zeit mit der Nahrungsaufnahme. Das „Äsen“, wie Jäger das Fressen nennen, nimmt etwa sechs Stunden am Tag in Anspruch. Weitere sechs Stunden kauen die Tiere ihre Nahrung wieder. Nur vier Stunden schlafen Rehkitze, dazwischen gibt es ausgedehnte Ruhephasen. Die Nahrung besteht aus Kräutern, Gräsern, jungen Trieben, Blättern, Knospen und im Herbst auch aus Waldbeeren und Bucheckern. Da diese pflanzliche Kost nicht sehr nahrhaft ist, müssen Rehkitze und ihre Mütter große Mengen davon aufnehmen.
Leckerbissen am Wegesrand: Rehkitze sind Pflanzenfresser und ernähren sich von Kräutern, Gräsern, Blüten und jungen Trieben.
Rehkitze und ihre Familie
Viele Menschen glauben fälschlicherweise, dass Rehkitze die Jungen von Hirschen sind. Tatsächlich gehören Rehe zwar zur Familie der Hirsche, sind aber eine eigenständige Art – genau wie Rothirsch oder Damhirsch. Rehe sind viel kleiner als diese Verwandten: An der Schulter messen sie nur etwa 70 Zentimeter, damit sind sie sogar kleiner als Ziegen. Die Väter der Rehkitze, die Rehböcke, tragen ein kleines, spitzes Geweih mit höchstens drei Sprossen. Das unterscheidet sie deutlich von den imposanten Geweihen der großen Hirscharten.
Wie Rehkitze ihre Feinde wahrnehmen
Du hast es vielleicht mit deinen Kindern schon beobachtet: Ein Rehkitz oder ein erwachsenes Reh bemerkt eure Anwesenheit erst nach einer Weile und flüchtet dann blitzschnell. Warum ist das so? Rehkitze und Rehe haben zwar gute Augen und Ohren, verlassen sich aber vor allem auf ihren außergewöhnlich guten Geruchssinn. Wenn du im Gegenwind näher kommst, kann das Rehkitz deine Witterung nicht aufnehmen und fühlt sich sicher. Erst wenn der Wind dreht oder du eine plötzliche Bewegung machst, reagiert das Tier und verschwindet blitzschnell im Dickicht. Mit ihren langen, kräftigen Beinen können Rehkitze mühelos über Hindernisse springen und finden schnell Schutz im Unterholz.
Voller Energie: Das junge Rehkitz übt spielerisch seine Sprungkraft – wichtig für die Flucht vor Gefahren.
Die Brunftzeit und neue Rehkitze
Etwa 70 Tage nach der Geburt der Rehkitze beginnt die Brunftzeit. Im Juli und August sind die Ricken für genau vier Tage paarungsbereit. Die Rehböcke nehmen ihre Witterung auf und folgen den Weibchen ausdauernd. Nach der Paarung passiert etwas Besonderes: Das befruchtete Ei ruht zunächst im Mutterleib und entwickelt sich erst ab Dezember weiter. Diese Keimruhe sorgt dafür, dass die neuen Rehkitze erst im nächsten Mai oder Juni geboren werden – nach insgesamt über neun Monaten.
Der Frühling mit seinem reichhaltigen Nahrungsangebot bietet Rehkitzen die besten Überlebenschancen.
Wie Rehkitze den ersten Winter überstehen
Bevor die nächste Generation Rehkitze das Licht der Welt erblickt, müssen die Jungtiere vom Vorjahr ihren ersten Winter überstehen. Im Herbst schließen sich die Ricken mit ihren halbwüchsigen Rehkitzen zu kleinen Gruppen zusammen. Diese Herden nennt man in der Jägersprache „Sprünge“. Gemeinsam sind Rehkitze und ihre Mütter besser geschützt. Ältere Rehböcke bleiben dagegen Einzelgänger und verbringen den Winter allein. Für alle Rehe wird die Nahrungssuche jetzt beschwerlich. Solange der Boden nicht gefroren ist, finden Rehkitze und erwachsene Rehe noch Wurzeln unter der Schneedecke. Bei besonders strengem Frost legen Förster und Jäger Futterstellen für die Wildtiere an, damit die Rehkitze diese harte Zeit überleben können.
Zartes Ritual: Die Ricke und ihr Rehkitz berühren sich liebevoll. Im Frühjahr werden die Jungtiere selbstständig und suchen ihr eigenes Revier.
Rehkitze werden selbstständig
Im Frühjahr lösen sich die Wintergruppen auf. Die nun einjährigen Rehkitze suchen sich ihr eigenes Revier, meist im Umkreis von fünf Kilometern um ihren Geburtsort. Die Ricken bereiten sich auf die Geburt der nächsten Rehkitze vor und konzentrieren sich dann wieder voll und ganz auf ihre Neugeborenen. So beginnt der Kreislauf von neuem: Jedes Jahr im Mai und Juni kommen neue Rehkitze zur Welt, die mit ihren großen Augen und gefleckten Fellchen die Herzen höher schlagen lassen – genau wie Bambi es seit Generationen tut.
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